KomPostZeitschrift02

Verstehen Sie Spa├č?
von unserer Klauneske Colgate H. Haha


Aber sicher doch, wer tut denn das nicht? Sie schossen ja nur so aus dem Boden, die witzigen Ulk-Sendungen im Fernsehen, und dann die versteckten Filmapparate, nicht zu vergessen die Pannen und lustigen Ungl├╝cke, da schie├čen die Lachsalven nur so durchs Wohnzimmer, dass die W├Ąnde wackeln.

Ach, erst neulich, wie hab ich gelacht. Die kleinen Kinder, wie sie mit ihren Rutschautos die Stra├če runtersausten und peng, da lag der kleine Sven – salto die hopp – mitten drin im Gem├╝sebeet. Ja, goldig, unsere Kleinen. Wenn dann noch eine ganze Regalwand ihren Halt verliert und schwankend auf die kleine Suse f├Ąllt, muss ich mir doch glatt den Bauch halten, so zittern meine Lachmuskeln.

Ein putziges V├Âlkchen, unsere kleinen Strolche, und immer ein Witz auf Lager, eine lustige Schote, ein schnuckeliges Malheur. Hab ich dir schon erz├Ąhlt, als unsere Katy ihren Kopf in die M├╝lltonne, und dann das Gleichgewicht, und der s├╝├če Popo oben raus, die zappelnden Speckbeinchen ... das h├Ąttest du sehn sollen! Ich bin sofort los, um den Fotoapparat zu holen, so was muss man ja einfach, also ich sag dir. Aber ich kam leider zu sp├Ąt. Sie war schon umgekippt, die Tonne, und dann der stinkende M├╝ll, also das war vielleicht eine Schweinerei. Mein Gott, hab ich mich geekelt. Am liebsten h├Ątte ich das Kind mitsamt seiner Klamotten in die Waschmaschine ... aber sie ist ja nicht schwindelfrei.

Keine Bange, es geht auch ohne Strom und Bildschirm. Wenn sich die Kleinen so richtig kabbeln, ach, ist das ein Vergn├╝gen, da verstehen sie Spa├č, unsere lieben Muttis. Das ist ja kein richtiges Kabbeln, nichts so richtig Fieses, sondern nett gemeint. Jungs brauchen das nun mal, die meinen das nicht so b├Âse. Ja: Kinder – da wird einem nie langweilig. Immer ein Sp├Ą├čchen auf Lager, irgendeine Verwechslung, ein ulkiges Missgeschick. Und dann dieses Gesicht! So ganz voller Unschuld, als w├Ąre nichts passiert. Also, ich sag dir, Kinder sind einfach super!

Jetzt mal im Ernst: Meine Mama, das ist so eine richtig humorige Frau, die versteht Spa├č, das ist ja mal klar. Was war das doch f├╝r eine Erheiterung, als ich in vollem Ernst in der Schule erz├Ąhlte, meine Mama w├Ąhlt Haake Beck, also eine Biermarke, als Partei in den Bundestag. Das wei├č ich heute noch, obwohl ich vielleicht sechs oder sieben Jahre alt war, so ulkig war das – f├╝r sie. Ich habe mich selten so gesch├Ąmt ... und das ist erst lustig! Ein sich sch├Ąmendes M├Ądchen. ÔÇ×Nun sei doch nicht so, war doch nur Spa├č, brauchst dich doch nicht zu zieren.“

Ich verstehe trotzdem Spa├č, was nicht hei├čt, dass ich mich gr├Âlend im Sessel winde, wenn der vor Lustigkeit triefende Bumerang seinen Heimweg antritt. Nur ein leichtes, kaum sichtliches Schmunzeln geht mir durch die Lippen beim Anblick der verbissen l├Ąchelnden Mutter, deren s├╝├čer frecher Fratz in die Hose pieschert, w├Ąhrend er sich gem├╝tlich auf ihrem Scho├č fl├Ątzt, in der Hand eine Tube Zaubertinte und ein braunes zusammengerolltes W├╝rstchen, das eigentlich aus Plastik sein sollte, h├Ątte der Kleine nicht dieses kindisch kreative Potential zum naiven Missverst├Ąndnis, um den gekauften Scherzartikel gegen echte Ware einzutauschen ...

Ach, Leute, Kinder sind nahezu das Ulkigste, was mir auf Erden begegnet ist, wenn es diese putzigen Tierchen nicht g├Ąbe. Denk nur, neulich, der Yorkshireterrier von Luise, die kleine Biene, da stand das Planschbecken im Garten, und ich sach noch, pass auf, die Biene kann nicht schwimmen, und da fiel doch glatt der Sonnenschirm mitten ins Bassin, Biene hinterher, auf Verfolgungsjagd, versteht sich, schnappt in den Stoff, bei├čt dabei auf den Knopf, also den f├╝r die automatische Schnappvorrichtung oder wie das Dingens hei├čt, und der flutscht doch tats├Ąchlich auf, Biene oben drauf, nass wie ein alter Pudel, fliegt durch die Luft, jault, landet im Kirschbaum, wo die Nachbarskatze lauert, kriegt einen gewischt, klatscht zur├╝ck ins Planschbecken, bei├čt in die Luftkammern, dass es nur so zischt, saust wie vom Blitz getroffen auf die Stra├če, Hupkonzert, wutsch, wutsch, peng, bumm ... Mein Gott, ich k├Ânnte mich in den ... bei├čen, dass ich ausgerechnet in dem Moment keine Kamera dabei hatte.

Der Hund war tot, aber f├╝r den Spa├č hat sich der Aufwand wirklich gelohnt. Ich muss heute noch lachen, wenn ich dran denke.

 

 

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© 2001 J. Riedel-Henck

 

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